Wieder auf dem Dogwalk!

Die Sonne scheint, und aus den begossenen Pudeln sind wieder unverwechselbare, einzigartige Mischlinge geworden. Bulldoggen-Sheltie Bombastica, besagter Spanielmix und meine Klara liegen beim Wettbewerb vorn – Zorro leider auch – grrrrrrrr.
Fantasy, die mit den leicht silbrig schimmernden Fellspitzen, hat sich für die nächste Runde qualifiziert, mag aber nach dem Desaster mit Keks und dem Jack-Russel-Mix nicht mehr auf den Laufsteg. Diese beiden sind übrigens disqualifiziert und wetteifern nun aus der Zuschauermenge heraus darum, wie man sich am besten in den Mittelpunkt kläffen kann.

Die Moderatorin muss sich mächtig anstrengen, damit man ihre nächste Ankündigung akustisch versteht.
„Was? Wer kommt jetzt?“, höre ich gespannte Menschen rufen, weil der Laufsteg immer noch leer ist. Doch dann bemerke ich, wie eine Frau in Rosa versucht, eine Mops-Dackel-Hündin mit Würstchen hinauf zu locken. Die kleine Rose widersteht, fühlt sich sichtlich unwohl. Kein Wunder, denn sie steckt in einem rosa Ballettröckchen. Gleich muss sie sich auch noch von ein paar ganz unsensiblen Zuschauern auslachen lassen.
Ich protestiere lauthals und werde noch wütender, als ich sehe, wie die Ärmste von ihrem Menschen einfach hoch genommen und dann mitten auf dem Steg den spöttischen Blicken der Zuschauer ausgesetzt wird.
Silas stimmt mir voll zu. „Ganz recht, Tristan. Sie dauert mich auch. Schade – mit ihrer funktionstüchtigen Dackelnase hätte sie richtig gute Chancen.“

In der Jury wird derweil heftig diskutiert. Ich sehe, wie ein Mitglied sich an die Moderatorin wendet, welche hierauf verkündet, bei diesem Wettbewerb zähle nur naturgegebene Originalität.
Rose darf den Laufsteg verlassen, springt umher und reißt sich den Fummel vom Leib. „Wau“, hechelt sie, erschöpft, aber glücklich. „Geschafft!“ Ausgelassen schüttelt sie das rosafarbene Stück Stoff, und ihre schwarzen Knopfaugen blicken glänzend aus dem Fell. „Wau! Gewonnen!“

Ich achte nicht länger auf Rose, denn jetzt ist Klara dran – meine Klara. „Wau, wau, wau!“ Begeistert springe ich zu ihr auf den Laufsteg, um sie zu begrüßen, aber – was soll das? Die Moderatorin schickt mich runter und ruft stattdessen Zorro hinauf.
Ich bleibe, stehe ihm Auge in Auge gegenüber. Das ist zu viel. Das ist eindeutig zu viel! Jetzt schnuppert dieser dreiste Kerl auch noch ganz unverschämt unter Klaras Ringelschwanz herum. „Grrrrrrr, Nase weg!“, kläffe ich.

„Tristan!“, ruft Silas. „Tristan, hierher!“ Ich stocke und besinne mich. Auch Zorro horcht auf, lässt sogar Klaras Po in Ruhe.
„Tut mir leid“, wende ich mich steifbeinig an ihn. „Aber ich habe keine Zeit mehr für dich, werde anderweitig gebraucht.“
Gemessenen Schrittes verlasse ich den Laufsteg, gehe zu meinem Assistenten und lecke ihm dankbar die Hand. Wie gut, dass er meinen Ausraster gestoppt hat und mir ermöglicht, mich unter Wahrung meines Gesichts zurück zu ziehen.
Seines ist knallrot angelaufen. Drei Mal hätte er mich schon gerufen, höre ich jemanden sagen. Na ja, erstens stimmt das nicht und zweitens…

Begeisterter Applaus um uns herum lenkt meine Aufmerksamkeit zurück auf den Laufsteg, wo Klara und Zorro gerade preisgekrönt werden. …zweitens kann ich es mir leisten, hier einen Ruf zu überhören, habe bei diesem Wettbewerb ja sowieso keinen Kauknochen zu gewinnen.

In zwei Wochen gibt’s eine kleine Nachlese zum Wettbewerb und wieder mal ein bisschen Philosophie. Bis dahin alles Gute und schöne Ostern – Euer Tristan

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