Tricksi, die KFZ-Mechanikerin, Teil 2

Emma, wieder auf ihrem Stuhl hinter dem Empfang, tippt alles eifrig in den Computer. Ich ahne natürlich längst, welch prominente Persönlichkeit wir hier haben: Das „Monster aus der Gartenstraße“.
Durch Dornensträucher muss ich mich hier zwar nicht jagen lassen, begegne Tricksi aber dennoch vorsichtig. Andererseits – in meinem Wartezimmer bin natürlich ich der Chef, was ich ihr auch unmissverständlich klar mache, indem ich mich anschleiche und sie fixiere.
Tatsächlich wendet sie ihren Blick ab, beginnt sich zu putzen. „Sinnlos“, sage ich. „Das kriegst du so nicht ab.“ Sie ignoriert meinen Einwand, leckt beharrlich über den Ruß an ihren Vorderpfoten.

Mich plagt die Neugierde. „Sag mal – was hast du eigentlich gegen Hunde?“, frage ich Tricksi rundheraus.
Nur kurz unterbricht sie ihre Körperpflege, aber immerhin. „Ich hasse es, wenn sie die Reifen meiner Autos markieren.“
Ach so! Hätte ich darauf eigentlich nicht selbst kommen können, als Hund? „Okay…“, beginne ich überlegend, „wenn das alles ist… dem könnten wir ja abhelfen.“
Nun erlange ich doch noch ihre volle Aufmerksamkeit. „Tatsächlich?“ Ihr Blick ist kaum noch feindselig, dagegen voller Erstaunen. „Meinst du wirklich?“
„Klar“, versichere ich. Die meisten Hunde schlagen ja mittlerweile sowieso einen Bogen um die Gartenstraße. Letzteres muss ich Tricksi selbstverständlich nicht auf die Nase binden, sonst wird sie vielleicht völlig größenwahnsinnig und mutiert zur Löwin.
„Hm…“, überlegt mein Gegenüber. „Okay, so könnten wir ins Geschäft kommen.“

„Jetzt stellt sie ihre Ohren wieder auf!“, begeistert sich das Mädchen von vorhin. Stets erfreut über menschliche Aufmerksamkeit, wedle ich, wende mich aber sogleich wieder meiner Patientin zu, denn ich bin noch nicht mit ihr fertig. „Abgemacht Tricksi, aber nur unter einer Bedingung.“
„Und die wäre?“ Schon wieder legt sie die Ohren an, aber ich lasse mich nicht davon beeindrucken. „Du gehst jetzt in den Behandlungsraum und lässt dich impfen.“
Tricksi faucht. „Sag du mir nicht, was ich zu tun oder zu lassen habe! Nicht mal von anderen Katzen lass‘ ich mir das vorschreiben und von einem Hund schon gar nicht!“

Der alte Mann hat sich unterdessen auf einen frei gewordenen Stuhl gesetzt und schaut zu, wie ein Patient nach dem anderen im Behandlungsraum verschwindet. Wir können schließlich nicht wegen Tricksi den ganzen Betrieb anhalten. „O, oh“, seufzt er jetzt kopfschüttelnd. „Das wird doch nichts.“
Wie kann man nur so schnell aufgeben, ärgere ich mich, bevor mir einfällt, dass der Ärmste ja schon seit dem Morgengrauen in Sachen Tricksi unterwegs ist. „Na dann“, sage ich betont lässig zu ihr, „können wir den ganzen Handel sowieso vergessen. Du holst dir einen tüchtigen Katzenschnupfen, der deine Karriere als KFZ-Mechanikerin ganz schnell beendet.“
Entsetzt verstummt sie und steht auf. „Wenn es euch so viel Spaß macht, eine arme kleine Katze zu pieksen – bitteschön.“ Kapriziös schreitet Tricksi durch’s Wartezimmer und rümpft die Nase. „Mir stinkt’s hier sowieso zu sehr nach Hund.“

„Was ist eigentlich mit unserem Wettbewerb?“, wirft ein Spanielmix in die Runde, nachdem die Tür zum Behandlungsraum sich hinter Tricksi geschlossen hat.
„Was soll damit sein?“, frage ich zurück. „Am Samstag geht’s weiter.“

Genau, aber erst Samstag in einer Woche. Bis dahin macht’s gut – euer Tristan

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