Archiv für den Monat: April 2014

Wieder auf dem Dogwalk!

Die Sonne scheint, und aus den begossenen Pudeln sind wieder unverwechselbare, einzigartige Mischlinge geworden. Bulldoggen-Sheltie Bombastica, besagter Spanielmix und meine Klara liegen beim Wettbewerb vorn – Zorro leider auch – grrrrrrrr.
Fantasy, die mit den leicht silbrig schimmernden Fellspitzen, hat sich für die nächste Runde qualifiziert, mag aber nach dem Desaster mit Keks und dem Jack-Russel-Mix nicht mehr auf den Laufsteg. Diese beiden sind übrigens disqualifiziert und wetteifern nun aus der Zuschauermenge heraus darum, wie man sich am besten in den Mittelpunkt kläffen kann.

Die Moderatorin muss sich mächtig anstrengen, damit man ihre nächste Ankündigung akustisch versteht.
„Was? Wer kommt jetzt?“, höre ich gespannte Menschen rufen, weil der Laufsteg immer noch leer ist. Doch dann bemerke ich, wie eine Frau in Rosa versucht, eine Mops-Dackel-Hündin mit Würstchen hinauf zu locken. Die kleine Rose widersteht, fühlt sich sichtlich unwohl. Kein Wunder, denn sie steckt in einem rosa Ballettröckchen. Gleich muss sie sich auch noch von ein paar ganz unsensiblen Zuschauern auslachen lassen.
Ich protestiere lauthals und werde noch wütender, als ich sehe, wie die Ärmste von ihrem Menschen einfach hoch genommen und dann mitten auf dem Steg den spöttischen Blicken der Zuschauer ausgesetzt wird.
Silas stimmt mir voll zu. „Ganz recht, Tristan. Sie dauert mich auch. Schade – mit ihrer funktionstüchtigen Dackelnase hätte sie richtig gute Chancen.“

In der Jury wird derweil heftig diskutiert. Ich sehe, wie ein Mitglied sich an die Moderatorin wendet, welche hierauf verkündet, bei diesem Wettbewerb zähle nur naturgegebene Originalität.
Rose darf den Laufsteg verlassen, springt umher und reißt sich den Fummel vom Leib. „Wau“, hechelt sie, erschöpft, aber glücklich. „Geschafft!“ Ausgelassen schüttelt sie das rosafarbene Stück Stoff, und ihre schwarzen Knopfaugen blicken glänzend aus dem Fell. „Wau! Gewonnen!“

Ich achte nicht länger auf Rose, denn jetzt ist Klara dran – meine Klara. „Wau, wau, wau!“ Begeistert springe ich zu ihr auf den Laufsteg, um sie zu begrüßen, aber – was soll das? Die Moderatorin schickt mich runter und ruft stattdessen Zorro hinauf.
Ich bleibe, stehe ihm Auge in Auge gegenüber. Das ist zu viel. Das ist eindeutig zu viel! Jetzt schnuppert dieser dreiste Kerl auch noch ganz unverschämt unter Klaras Ringelschwanz herum. „Grrrrrrr, Nase weg!“, kläffe ich.

„Tristan!“, ruft Silas. „Tristan, hierher!“ Ich stocke und besinne mich. Auch Zorro horcht auf, lässt sogar Klaras Po in Ruhe.
„Tut mir leid“, wende ich mich steifbeinig an ihn. „Aber ich habe keine Zeit mehr für dich, werde anderweitig gebraucht.“
Gemessenen Schrittes verlasse ich den Laufsteg, gehe zu meinem Assistenten und lecke ihm dankbar die Hand. Wie gut, dass er meinen Ausraster gestoppt hat und mir ermöglicht, mich unter Wahrung meines Gesichts zurück zu ziehen.
Seines ist knallrot angelaufen. Drei Mal hätte er mich schon gerufen, höre ich jemanden sagen. Na ja, erstens stimmt das nicht und zweitens…

Begeisterter Applaus um uns herum lenkt meine Aufmerksamkeit zurück auf den Laufsteg, wo Klara und Zorro gerade preisgekrönt werden. …zweitens kann ich es mir leisten, hier einen Ruf zu überhören, habe bei diesem Wettbewerb ja sowieso keinen Kauknochen zu gewinnen.

In zwei Wochen gibt’s eine kleine Nachlese zum Wettbewerb und wieder mal ein bisschen Philosophie. Bis dahin alles Gute und schöne Ostern – Euer Tristan

Tricksi, die KFZ-Mechanikerin, Teil 2

Emma, wieder auf ihrem Stuhl hinter dem Empfang, tippt alles eifrig in den Computer. Ich ahne natürlich längst, welch prominente Persönlichkeit wir hier haben: Das „Monster aus der Gartenstraße“.
Durch Dornensträucher muss ich mich hier zwar nicht jagen lassen, begegne Tricksi aber dennoch vorsichtig. Andererseits – in meinem Wartezimmer bin natürlich ich der Chef, was ich ihr auch unmissverständlich klar mache, indem ich mich anschleiche und sie fixiere.
Tatsächlich wendet sie ihren Blick ab, beginnt sich zu putzen. „Sinnlos“, sage ich. „Das kriegst du so nicht ab.“ Sie ignoriert meinen Einwand, leckt beharrlich über den Ruß an ihren Vorderpfoten.

Mich plagt die Neugierde. „Sag mal – was hast du eigentlich gegen Hunde?“, frage ich Tricksi rundheraus.
Nur kurz unterbricht sie ihre Körperpflege, aber immerhin. „Ich hasse es, wenn sie die Reifen meiner Autos markieren.“
Ach so! Hätte ich darauf eigentlich nicht selbst kommen können, als Hund? „Okay…“, beginne ich überlegend, „wenn das alles ist… dem könnten wir ja abhelfen.“
Nun erlange ich doch noch ihre volle Aufmerksamkeit. „Tatsächlich?“ Ihr Blick ist kaum noch feindselig, dagegen voller Erstaunen. „Meinst du wirklich?“
„Klar“, versichere ich. Die meisten Hunde schlagen ja mittlerweile sowieso einen Bogen um die Gartenstraße. Letzteres muss ich Tricksi selbstverständlich nicht auf die Nase binden, sonst wird sie vielleicht völlig größenwahnsinnig und mutiert zur Löwin.
„Hm…“, überlegt mein Gegenüber. „Okay, so könnten wir ins Geschäft kommen.“

„Jetzt stellt sie ihre Ohren wieder auf!“, begeistert sich das Mädchen von vorhin. Stets erfreut über menschliche Aufmerksamkeit, wedle ich, wende mich aber sogleich wieder meiner Patientin zu, denn ich bin noch nicht mit ihr fertig. „Abgemacht Tricksi, aber nur unter einer Bedingung.“
„Und die wäre?“ Schon wieder legt sie die Ohren an, aber ich lasse mich nicht davon beeindrucken. „Du gehst jetzt in den Behandlungsraum und lässt dich impfen.“
Tricksi faucht. „Sag du mir nicht, was ich zu tun oder zu lassen habe! Nicht mal von anderen Katzen lass‘ ich mir das vorschreiben und von einem Hund schon gar nicht!“

Der alte Mann hat sich unterdessen auf einen frei gewordenen Stuhl gesetzt und schaut zu, wie ein Patient nach dem anderen im Behandlungsraum verschwindet. Wir können schließlich nicht wegen Tricksi den ganzen Betrieb anhalten. „O, oh“, seufzt er jetzt kopfschüttelnd. „Das wird doch nichts.“
Wie kann man nur so schnell aufgeben, ärgere ich mich, bevor mir einfällt, dass der Ärmste ja schon seit dem Morgengrauen in Sachen Tricksi unterwegs ist. „Na dann“, sage ich betont lässig zu ihr, „können wir den ganzen Handel sowieso vergessen. Du holst dir einen tüchtigen Katzenschnupfen, der deine Karriere als KFZ-Mechanikerin ganz schnell beendet.“
Entsetzt verstummt sie und steht auf. „Wenn es euch so viel Spaß macht, eine arme kleine Katze zu pieksen – bitteschön.“ Kapriziös schreitet Tricksi durch’s Wartezimmer und rümpft die Nase. „Mir stinkt’s hier sowieso zu sehr nach Hund.“

„Was ist eigentlich mit unserem Wettbewerb?“, wirft ein Spanielmix in die Runde, nachdem die Tür zum Behandlungsraum sich hinter Tricksi geschlossen hat.
„Was soll damit sein?“, frage ich zurück. „Am Samstag geht’s weiter.“

Genau, aber erst Samstag in einer Woche. Bis dahin macht’s gut – euer Tristan