Archiv für den Monat: Januar 2014

Django im Straßendschungel, Teil 1

Kennt ihr das auch, dass euch der Tag schon am frühen Morgen so richtig gründlich verdorben wird, noch vor dem Frühstück, so dass ihr gar keine Lust mehr darauf habt?
Na, dann kann’s mir wenigstens nicht gleich wieder hochkommen, denkt der Optimist. Von wegen, mir ist bereits dermaßen übel, dass ich kotzen könnte, noch ehe ich gefrühstückt hab – mault der Pessimist.

Erzählt mir doch Labrador Sammy zwischen zwei Ballwürfen auf der Wiese, Zorro wolle jetzt noch viel höher hinaus.
„Was!“, belle ich und lasse meinen Ball fallen. „Klettert der etwa wieder auf Bäume?“ Und – noch schlimmer -, denke ich bei mir, verleitet er womöglich meine Klara dazu?
„Nein“, antwortet Sammy und schnappt mir doch glatt meinen Ball weg. „Er will zum originellsten Mischling Deutschlands gekrönt werden.“
Zum Größenwahnsinn, denke ich und frage, wer denn wo solche Krönungen vornimmt. Sammy schweigt, muss aufpassen, dass sein Mensch ihm nicht davon läuft und rennt ihm nach. Aber ohne meinen Ball in der Schnauze! „Halt!“, protestiere ich und sprinte hinterher.
„Tristan!“, schreit Silas mir nach.
Zur Katze! Ich kann doch nicht an zwei Orten zugleich sein. Das bringt nicht mal ein Tausendsassa wie ich fertig. Andererseits fühle ich mich geschmeichelt, bin eben ein gefragter Typ.
Sammy lässt sich von seinem Menschen die Beifahrertür aufhalten, springt ins Auto und spuckt den Ball vor meine Pfoten. „Da, den mag ich sowieso nicht“, meint er.
„Neidhammel“, kontere ich und will wieder auf Zorro zu sprechen kommen, aber Sammys Mensch hat inzwischen den Motor angelassen. Fürchterlich, diese Automotoren! Hund versteht sein eigenes Gebell nicht mehr.
Ich bezähme meine Neugierde und kehre zu Silas zurück. Vielleicht weiß ja einer meiner Patienten was von diesem ominösen Wettbewerb.

Kurz vor der Mittagspause erfahre ich endlich mehr. „Mein schönes Fell, total zerzaust!“, schimpft Bulldoggen-Sheltie Bombastica. „So erklimme ich nie die oberste Stufe des Siegertreppchens.“ Tatsächlich strotzt ihr wallendes Seidenhaar, ein Erbe ihrer Sheltiemutter, nur so vor Dornen. „Ach was“, versuche ich sie zu trösten, während der Scherkopf in Silas‘ Hand zu schnurren beginnt. „Wirst sehen, im modischen Sommerlook bist du der letzte Schrei.“
„Iiiiiiiiiiiii“, fiept Bombastica in den höchsten Tönen und kneift die Augen zu. Sogar eine Intimrasur bleibt der Ärmsten nicht erspart. Ob sie in ihrem neuen Outfit tatsächlich Chancen haben wird… Dabei würde ich ihr den ersten Preis ja sooo gönnen, aber… Na ja, vielleicht besteht noch Hoffnung. Bei diesem Wettbewerb wird ja nicht der schönste, sondern der originellste Mix gekürt.
So meint jedenfalls Silas zu Laras Mensch, einer älteren Dame in Mahagonirot.
Bombastica, ihrer Haarpracht beraubt, kann das nicht trösten. „Daran ist nur dieses Monster schuld“, knurrt sie und wirkt mit ihren jetzt sichtbar überstehenden Reißzähnen auf geradezu liebenswürdige Weise bedrohlich.
Monster??? Ich überlege. Dann fällt es mir wieder ein – die Überfallserie in der Gartenstraße! Noch immer ist ja rätselhaft, wer meine armen Artgenossen seit Wochen durchs Dornengestrüpp scheucht. Höchste Zeit, einen Detektiv auf den Übeltäter anzusetzen, beschließe ich.

Django, den ich am Nachmittag unterwegs zum Wald treffe, erscheint mir dafür geeignet, nicht zuletzt deshalb, weil er seinen Menschen oft in der Gartenstraße spazieren führt.
Django ist ein Boxer und der neugierigste Kerl, den ich kenne. Draufgängerisch von der Nasen- bis zur Schwanzspitze, geht er allem auf den Grund. Manchmal versenkt er sein Riechorgan so tief ins Gras, dass ich fürchte, er schnüffele sich bis nach Australien durch.
Wie sich später noch herausstellen wird, unterschätze ich allerdings seine Hitzköpfigkeit. Mit seinen eineinhalb Jahren ist er halt noch nicht richtig erwachsen und neigt zu überstürztem Vorgehen.
Doch momentan – und wir Hunde leben nun mal in der Gegenwart -, sehe ich in ihm einen zumindest ebenbürtigen Gegner des geheimnisvollen Hundehassers. Mit seinen stattlichen sechzig Zentimetern Schulterhöhe und den Muskeln, die er gern unter seinem Kurzhaarfell spielen lässt, wird Django nicht vor ihm kuschen – denke ich.
Er nimmt auch sofort den Auftrag an. „Klar Doc!“ Jagdeifrig peitscht sein Säbelschwanz durch die Luft, dass es nur so zischt. „Dem werd ich’s zeigen!“
„Aber sei vorsichtig“, warne ich. „Kürzlich soll dieses Monster einem Berner Sennenhund auf den Rücken gesprungen sein und ihn nicht mehr losgelassen haben. In seiner Panik schwamm der Berner durch den halben Baggersee und wäre vor Erschöpfung ertrunken, wenn ein Junge ihn nicht in sein Schlauchboot gezogen hätte. Das Biest war inzwischen abgesprungen, wollte vielleicht nicht nass werden.“
„Phhh!“, schnaubt Django. „So was soll es bei mir bloß mal wagen!“
Ich höre nur halb hin, denn während ich so erzähle, fällt mir etwas auf. Ist besagtes Monster etwa wasserscheu? Wahrscheinlich begegnet man ihm besser mit Schläue, als mit Muskelkraft, aber zu spät… Nun habe ich Django schon scharf gemacht.

Ist Django erfolgreich? In zwei Wochen erfahrt ihr mehr. Bis dahin macht’s gut – euer Tristan

Kleiner Leitfaden: Menschen artgerecht erziehen!

Unsere Menschen müssen wir ein Leben lang erziehen! Das gilt nicht nur für Hunde, sondern auch für alle anderen Menschenbesitzer.
Natürlich verfügen wir Hunde darin über die längste Erfahrung, weil schon unsere wölfischen Vorfahren sich Menschen hielten. Wer diese Tradition ursprünglich eingeführt hat und warum, das ist ja immer noch umstritten.

Ich persönlich glaube, es müssen besonders mitfühlende Wölfe gewesen sein, die nicht mehr mitansehen konnten, wie hilflos diese neuartigen Wesen waren, die da von den Bäumen stiegen. Nicht mal ein eigenes wärmendes Fell konnten sie sich wachsen lassen! Das gelingt ihnen ja bekanntlich bis heute nicht.
Sagt selbst, liebe Mithunde, mussten unsere Vorfahren da nicht unbedingt eingreifen und ihnen bei der Jagd helfen, damit sie endlich etwas Vernünftiges bekamen – sowohl auf die Knochen als auch auf die bibbernde Haut?

Und wie, so frage ich euch, hätten sie sich gegen Angriffe wehren sollen? Andere Tiere, wie beispielsweise Hunde, können in bedrohlichen Situationen eine beeindruckende Bürste aufstellen und prächtige Reißzähne präsentieren.
Gegen Kälte sind sogar fliegende Zweibeiner besser ausgestattet als Menschen. Sie plustern sich einfach auf. Unseren Menschen sträuben sich höchstens die paar lächerlichen Härchen auf Armen und Beinen, so dass sie aussehen wie gerupfte Gänse.
Nebenbei bemerkt: Seltsam, dass die sich nicht über sie totlachen, wo sie doch mitunter ziemlich frech sein können.
Doch zum Glück gibt’s ja uns, insbesondere uns Hütehunde. Nicht nur wandelnden Wollpullis zeigen wir, wo’s lang geht und machen sie gefügig. Wir kümmern uns auch hervorragend ums Geflügel – ob auf der Wiese oder im Fressnapf, wau wau!

Halten wir mal fest: Ohne uns Hunde wären Menschen nur in einer Hinsicht vollkommen, nämlich vollkommen aufgeschmissen!
Allerdings neigen sie immer wieder dazu, das zu vergessen, obwohl ihr Gehirn – zugegebenermaßen – leidlich gut entwickelt ist.
Also muss man es ihnen rechtzeitig in Erinnerung rufen. Wichtig dabei: erste Anzeichen erkennen und sofort konsequent gegensteuern! Dabei kommt es auf das richtige Timing an. Wirklich, das dürfen wir niemals unterschätzen!

Eine konsequente Grunderziehung bildet natürlich die Basis für ein gutes Zusammenleben, aber sogar unterwürfige Menschen wollen sich in mehr oder weniger großen Abständen profilieren. Ich spreche da nicht nur aus eigener Erfahrung.
Typische Klagen meiner Patienten lauten beispielsweise: „Jetzt liege ich schon seit Wochen nach jedem Spaziergang gemütlich auf meinem Sofa, völlig unbehelligt. Da versucht er plötzlich wieder, mich runter zu schmeißen!“
Manchmal – und das nimmt leider bedenklich zu -, werden Menschen auch erst von Artgenossen auf dumme Ideen gebracht.
Berichtet mir doch kürzlich ein Patient fassungslos: „Stell dir nur vor, Tristan, neuerdings kommt jeden Dienstag so ein Typ, nennt sich ‚Hundepsychologe‘ und redet meinem Menschen ein, ich hätte in ’seinem‘ Bett nichts zu suchen. Was sagst du dazu???“
Tja, was soll ich dazu schon sagen? „Freilich hast du dort nichts zu suchen. Betten sind schließlich zum Schlafen da.“
Wie können Menschen nur so dumm sein???

In einem verblüffend ähnlich gelagerten Fall behauptet ein Typ gegenüber dem Menschen einer Patientin, sie hätte im Bett nichts verloren.
Also noch verrückter geht’s ja nun wirklich nicht, oder?!
Ich frage euch: Wie kann man im Bett überhaupt etwas verlieren? Zumal besagte Patientin kein bisschen zerstreut ist und immer sehr auf Kauknochen und dergleichen achtet.

Tage später stellt sich durch einen Zufall übrigens heraus, dass es sich bei beiden Typen um ein und denselben handelt.
Also der gehört ja nun wirklich auf die Couch!!!

In zwei Wochen kommen wir dem „Monster aus der Gartenstraße“ auf die Spur. Bis dahin macht’s gut – euer Tristan