Kleine Abhandlung über etwas von großer Bedeutung

„Ich spüre es im Urin“, höre ich Menschen gelegentlich sagen und frage mich dabei jedes Mal: Warum spülen sie dieses kostbare Nass dann so leichtfertig weg???

Seit abertausenden von Jahren begleiten wir unsere Menschen – jeden Tag ix Mal, morgens, mittags, nachmittags, abends – und machen ihnen vor, wie’s geht. Trotzdem scheinen sie es einfach nicht zu kapieren, wie mir Patienten und andere Mithunde immer wieder bestätigen.

Aber was rede ich, sehe es ja selbst. Wenn schon ein ziemlich intelligentes Exemplar dieser Spezies wie mein Silas es nicht begreift, nach nunmehr über sieben Jahren…

Nur manchmal, allerdings überaus selten, wie mir auch von Freunden, Patienten, etc. gelegentlich berichtet wird, leuchtet ein Hoffnungsschimmer auf am Horizont. Erst, wenn er’s gar nicht mehr verdrücken kann, schlägt sich dann der ein oder andere Zweibeiner verschämt ein paar Schritte in den Wald und markiert.

Wobei ich zugeben muss, dass Frauen es wesentlich besser hinkriegen. Männer dagegen lernen selbst in diesen seltenen Momenten geistiger Erleuchtung seltsamerweise nie, ihre Vorteile zu nutzen. Obwohl Mutter Naturs Lieblinge, weil anatomisch von ihr begünstigt, pinkeln sie immer nach unten, anstatt möglichst hoch an die Rinde.

Kaum zu glauben, aber manche begießen sogar Gras oder Gestrüpp anstatt der Bäume, wie mir erst kürzlich im Wartezimmer eine Patientin fassungslos erzählte. Wenn ich mich richtig entsinne, leidet die allerdings an Halluzinationen, weshalb ich für den Wahrheitsgehalt ihrer Äußerungen nicht unbedingt die Pfote ins Feuer legen möchte.

Apropos Wartezimmer – meine Behandlung beginnt bereits dort, während Silas in den Untersuchungsräumen herumwerkelt, Instrumente richtet und so.

Emma, meine Sekretärin, empfängt die Menschen und regelt mit ihnen den formellen Kram. Dabei werfe ich nicht nur eines, sondern gleich beide Augen auf meine Patienten. Hund muss sich Zeit für Gespräche mit ihnen nehmen, ja, wirklich! Das kann Hund gar nicht hoch genug bewerten.

Selbstverständlich begutachte ich immer auch ihre Menschen und stelle fest, dass sehr häufig, wenn nicht sogar in den meisten Fällen, die Probleme bei ihnen liegen. Viele kochen zum Beispiel zu kalorienreich. „Wie konntest du dir ausgerechnet so einen Menschen aussuchen?“, frage ich Patienten immer wieder.

„Ja, ja, wo die Liebe hinfällt“, kann ich da nur seufzen und betreibe Schadensbegrenzung. Oft gelingt mir das so gut, dass ich selbst darüber staune, aber manchmal…

So traurig es ist und so ungern ich es sage, aber manche Menschen sind schlichtweg unerziehbar! In solchen Fällen muss Hund das Beste daraus machen, denn seinen einmal erwählten Zweibeiner wieder abgeben?

Niemals! Schließlich tragen wir die Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe.

Erziehungsbeispiel Silas: Wie ich bereits sagte, ist er ziemlich intelligent – für einen Menschen, wohlgemerkt. Ich muss nur lange genug mit ihm herumspazieren, dann tritt er irgendwann doch ein paar Schritte in den Wald und hinter einen Baum, einen möglichst dicken. Unter mangelndem Selbstbewusstsein scheint er also nicht zu leiden.

Kommt er zurück auf den Weg, so bestätige ich ihn sofort schwanzwedelnd, damit er begreift, dass er es richtig gemacht hat.

Na ja, sagen wir, fast richtig. Denn zweierlei will oder kann er halt einfach immer noch nicht begreifen, zum einen (und das ist mir das weitaus größere Rätsel, weil er sonst nicht verschwenderisch ist), dass man mit solch einem wertvollen Stoff wirtschaftlich umgehen muss. Jedes Mal entleert er seine Blase auf ein Mal und an einen einzigen Baum – unfassbar! So dick kann ja gar kein Baum sein, dass er so etwas rechtfertigt.

Zum anderen – ihr ahnt sicher schon, was ich jetzt meine -, die hohe Kunst des Beinhebens. Spätestens ab dem elften Lebensmonat begreift doch auch der dümmste Hund, wie das geht. Sogar meinem Kumpel Cooper, der in dieser Hinsicht ein Spätzünder ist, habe ich es beigebracht. Silas dagegen…

Inzwischen habe ich erkannt, dass Menschen, insbesondere Männer, bedingt durch die Domestikation, (psycho)logisch über das Kindesalter nicht wirklich hinaus gelangen.

Egal. Wir lieben sie trotzdem!

Am übernächsten Samstag erzähle ich euch eine schier unglaubliche Geschichte. Bis dahin macht’s gut – euer Tristan

 

 

6 Gedanken zu „Kleine Abhandlung über etwas von großer Bedeutung&8220;

  1. Bei meinem nächsten Waldspaziergang werde ich wohl unwillkürlich an diese Geschichte denken – und es wohl wieder nur bei einem Baum belassen…
    Dir liebe Kirsten und deinen Leser(inne)n wünsche ich weiter viel Spaß mit derlei Hundegeschichten. lg Mike

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